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Die Frauen und das Geheimnis Livre VIII - Fable 6


Geheimnisse sind eine Last;
den Frauen fällt es schwer, sie weit zu tragen.
Hierin sind alle Männer fast auch Weiber nur,
das muss ich sagen.

Sein Weib zu prüfen, rief bei Nacht ein Ehemann
an ihrer Seite aus: "O Gott! Was fang ich an?
Ich kann nicht mehr! Ach, welche Plagen!
Himmel! Ich leg' ein Ei!" - "Ein Ei?" - "Ja, sieh's nur an;
ganz frisch! Doch hüte dich, etwas davon zu sagen;
man schimpft mich Henne sonst, drum schweig nur überall."
Die gute Frau, der dieser Fall ganz neu war,
wie auch manche andre Fragen,
sie glaubte es und schwor, es still bei sich zu tragen.
Doch hat an den Eid, als diese Nacht
vorüber war, sie kaum mehr gedacht.

Die Frau erhebt aus ihrem Bett sich,
sobald die Morgensonne lacht
und läuft zur Nachbarin geschwätzig:
"Gevatterin, denkt nur, was da geschehen ist diese Nacht!
Doch redet nicht davon, weil mich mein Mann sonst schlägt:
Ein Ei, so groß wie vier, hat er gelegt.
Doch bitt' um Gottes Willen ich,
von dem Geheimnis nichts zu sagen."
"Ihr kennt mich schlecht, könnt Ihr an mir zu zweifeln wagen!"
spricht jene drauf. "Verlasst Euch ganz auf mich."
Des Eierlegers Frau kehrt wieder heim; doch brennen
sieht man vor Ungeduld die andre schon und rennen
von Haus zu Hause mit der Neuigkeit vom Ei:
Aus einem macht sie gar schon drei.
Ein andres Weib sagt, dass es viere seien
und fügt hinzu, wie streng geheim die Sache wär'.
Unnötig waren die Geheimniskrämereien –
längst war es kein Geheimnis mehr.
So wuchs der Eier Zahl, sie ward von Mund zu Munde
dank dem Geschwätz vermehrt wie toll;
und vor der nächsten Abendstunde
war richtig schon das Hundert voll.
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ancre





W. Aractingy

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