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Die Macht der Fabel Livre VIII - Fable 4


Lässt ein Gesandter sich herab
Fabeln zu lesen und gewöhnliche Geschichten?
Darf meine leichten Verse ich an Dich wohl richten?
Wenn ich das Kleid der Würde ihnen gab,
wirst als verwegen Du und keck sie dann nicht hassen?

Du musst mit anderem dich befassen
als dem, wie's Häschen sich ergötzt
und mit dem Wiesel bricht die Lanze.
Lies oder lies sie nicht; doch jetzt
verhindre nur, dass man das ganze
Europa auf den Hals uns hetzt.
Dass ringsum sich der Feind erhebt
und tausend Herren sich empören –
mag sein! Allein, dass England danach strebt,
die Freundschaft unsrer Kön'ge zu zerstören,
werd' ich nur schwer begreifen können.
Soll Ludwig sich noch immer keine Rast vergönnen?
Welch andrer Herkules erlahmte nicht im Streit
mit jener Hydra? Wüsst' ich nur, was wir gewönnen,
wenn seinem starkem Arm ein neues Haupt sie zeigt?
Vermag dein Geist, beredt und biegsam,
die Herzen milder und geschmeidig
zu machen, dass erspart uns bleibt des Krieges Spiel,
will hundert Widder ich Dir opfern; das ist viel
für einen Bürger des Parnaßes.
Für heut' nimm meines Weihrauchfasses
bescheidne Gabe gnädig an;
nimm meine heißen Wünsche dann
und dies Gedicht, das ich dir hier zu Füßen lege.
Es passt für Dich, mehr sag' ich nicht;
auf's Lob, das Dir sogar der Neid
muss lassen, leg' ich kein Gewicht;
ich weiß, wie Ihr bescheiden seid.

Leichtsinnig war das Volk einst in Athen.
Ein Redner, der Gefahr fürs Vaterland gesehn,
bestieg die Rednerbühne. In die Herzen dringen
wollt' er, durch die Gewalt der Rede sie bezwingen;
fürs allgemeine Wohl bot alle Kraft er auf.
Man hört ihn nicht. Da griff der Sprecher im Verlauf
der Rede zu den stärksten Mitteln,
die selbst den trägsten Geist vermögen aufzurütteln:
Er donnert, was er kann, er weckt die Toten auf –
alles nur in den Wind, es achtet niemand drauf.
Es ward an diesem Tag an dem erhab'nen Orte
das tausendköpf'ge Tier zu keinem Ernst gebracht:
Rings sahn sich alle um; er merkt', sie gaben acht
auf Kinderprügelei'n und nicht auf seine Worte.
Was tat der Redner? Er versucht's auf andre Art.
"Ceres", so fing er an, "macht' einstmals eine Fahrt
mit einem Aal und einer Schwalbe. Auf der Reise
hielt sie ein Wasser auf; der Aal, kundig genug
des Schwimmens, und die Schwalb' im Flug
kamen bald drüber weg." Sogleich einstimmig frug
das Volk: "Und was tat Ceres?" Drauf der Weise:
"Was Ceres tat? Es wallt' ihr Blut
auf gegen euch in Zorn und Wut.
Wie, Fabeln sind's, wonach das Volk nur trachtet?
Und die Gefahr, in der es schmachtet,
sind nicht der Rede wert für leichtsinnigen Übermut!
Warum fragt ihr denn nicht, was König Philipp tut?"
Die durch das Gleichnis schnell erwachte
und zur Besinnung bald gebrachte
Bevölkerung gab nun auf ihren Redner acht.
Ein Stückchen Fabel hat's gemacht.

Athener sind wir alle in dem Punkt. Nicht lügen
will ich: Hätt' einer mir, als ich dies niederschrieb,
die Fabel von der Eselshaut erzählt, ich blieb'
wohl selber stecken vor Vergnügen.
Man sagt, die Welt ist alt. Ich glaub' es; doch gewinnt
nur, wer sie unterhält, als wäre sie ein Kind.

ancre





W. Aractingy

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