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Die pestkranken Tiere Livre VII - Fable 1


Ein Unheil, über das die Welt erschrickt
und das in seinem Zorn der Himmel schickt
als Strafe für der Erde Missetaten,
die Pest, da man sie doch bei Namen nennen muss,
die wohl an einem Tag anfüllt den styg'schen Fluss,
bekriegte einst der Tiere Staaten.
Nicht alle starben, doch blieb keiner ganz verschont;
nicht einen sah man, dem es lohnt',
ein siechend Leben noch zu fristen; keine Speise
weckt' ihr Gelüst in alter Weise.
Nicht Wolf noch Füchse spähten mehr
nach sanfter, unschuldsvoller Beute;
die Turteltäubchen floh'n umher,
da Liebe sie nicht mehr erfreute.

Der Leu hielt Rat und sprach: "Genossen
ich glaub' der Himmel hat beschlossen
dies Unheil wegen unsrer Sünden.
Der Schuldigste von uns nun soll
sich opfern dem Geschicke und des Himmels Groll;
vielleicht, dass wir dadurch Genesung finden.
Lehrt die Geschichte doch, dass Opferkraft
in solchen Fällen Rettung schafft.
Verhehlen wir uns nichts, dass rücksichtslos man sehe,
wie es mit unserem Gewissen stehe!
Was mich betrifft, so hab' ich aus Gefräßigkeit
manch armes Schaf dem Tod geweiht.
Was hatten sie für Schuld? Gar keine;
es ward von mir gefressen unbeirrt
auch manches Mal sogar der Hirt.
Ich will mich opfern, wenn es sein muss; doch ich meine,
gut wär's, wenn jeder sich anklagen wollt' gleich mir.
Scheint es doch wünschenswert mit Fug und Rechte,
dass sich der Schuldigste zum Opfer brächte."

"Herr", sprach der Fuchs, "ein gar zu guter Fürst seid Ihr;
Ihr zeigt ein Ehrgefühl, das nur zu zart und fein ist.
Doch Schafe fressen, dieses Pack, das so gemein ist,
heißt Sünde das? Nein, nein! Dass Ihr sie würget, war
für diese dummen Tiere Ehre noch sogar.
Vom Hirt, den Euer Hoheit fraßen,
sag' ich nur: Es geschah ihm recht;
er zählt' zu jenen, die ein eingebildet Recht
über die Tiere sich anmaßen."
So sprach der Fuchs; es jauchzt' ihm zu der Schmeichler Schar.
Von nun an durfte keiner mehr
dem Tiger wie dem Bär und andern Großen wagen,
das kleinste Unrecht nachzusagen,
Das ganze biss'ge Volk bis auf den Fleischerhund,
sie taten alle sich als kleine Heil'ge kund.

Nun sprach der Esel: "Meine Straße
hat eine Klosterwiese einst berührt,
da haben Hunger, frisches Gras und, wie ich wohl mutmaße,
irgendein Teufel mich verführt:
Ich fraß die Wiese ab, soweit die Zunge reichte;
ich hatt' kein Recht dazu, wenn ich soll ehrlich sein."
Da stürmten mit Geschrei sie auf das Langohr ein;
ein redelist'ger Wolf bewies, nach dieser Beichte
sei's klar geboten, dass man ihn zum Opfer nähm',
den räud'gen Lump, von dem das ganze Unheil käm'!
Zum Tod ward er verdammt für seine kleinen Schwächen.
Zu fressen fremdes Gras! Welch schmähliches Verbrechen!
Der Tod allein vermag's zu rächen!
So klang das Urteil; streng an ihm vollzogen ward's.

Bist stark du oder schwach? Das ist die Frag'; es sprechen
danach die Herren Richter weiß dich oder schwarz.

ancre





W. Aractingy

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