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Der Greis und seine Kinder Livre IV - Fable 18


Allein ist jeder schwach, nur Einigkeit gibt Stärke;
der Sklav' aus Phrygien lehrt's in einem seiner Werke.
Ich füg' noch Eigenes zu dem, was er geschrieben,
damit man den Bezug auf unsre Sitten merke,
und nicht aus Neid, denn Ehrgeiz ist mir fern geblieben.
Aus Ruhmsucht übertreibt oft Phädrus im Gedichte;
fiel' mir dergleichen ein, tät' ich mir selber leid.
Doch nun zur Fabel, vielmehr zur Geschichte
von dem, der seine Söhne mahnt' zur Einigkeit.

Ein Greis, bereit zu gehn, sobald der Tod ihm winkt,
rief seine Söhn' und sprach: "Seht, wenn es euch gelingt,
die Pfeile, die ihr hier vereint im Bündel findet,
zu brechen, zeig' ich euch den Knoten, der sie bindet."
Der Älteste nahm sie, doch wie sehr er sich auch quält',
umsonst war sein Bemühn; er sagt: "einen Stärkern wählt!"
Der zweite folgt' ihm und versucht' sich dran,
allein umsonst. Es müht' der Jüngste sich alsdann –
sie quälten sich umsonst: Das Bündel widerstand,
und nicht ein einz'ger Pfeil zerbrach in dem Verband.
"Ich will euch zeigen", sprach der Vater jetzt, "ihr Schwachen,
was ich in solchem Fall imstande bin zu machen!"
Man glaubt, er spotte nur, und lächelt – doch zu früh:
Er löst die Pfeile und zerbricht sie ohne Müh'.
"Ihr seht", sagt er, "was Eintracht bringt zustande.
Bleibt, Kinder, stets vereint durch treuer Liebe Bande!"
Solang' die Krankheit währt', sprach er nichts mehr.
Zuletzt nun, wie er fühlt, dass nah sein Ende wär':
"Ich werde", sagt er, "zu den Vätern mich begeben.
Versprecht mir nur, als Brüder stets zu leben.
Tut mir nur dies zulieb, eh' es mit mir vorbei!"
In Tränen gaben drauf ihr Wort ihm alle drei;
er fasst sie bei der Hand und stirbt.

Die drei erhalten ein groß Vermögen nun,
doch schwierig zu verwalten.
Ein Gläub'ger kommt, ein böser Nachbar klagt;
anfangs stehn fest die drei mit Glück und unverzagt.
Die seltne Freundschaft hat nicht lange vorgehalten:
das Blut hat sie vereint, der Eigennutz gespalten;
der Ehrgeiz und der Neid, der Advokaten List
und schlechter Rat kam noch dazu in kurzer Frist.
Zur Teilung kommt's, zu Rechtsspitzfindigkeiten
und hundert Strafen vom Gericht nach allen Seiten.
Nachbarn und Gläubiger sind schleunigst wieder da,
der, weil ein Irrtum, der, weil Unbill ihm geschah.
Das Kleeblatt kann keinen Entschluss mehr fassen:
Der möchte' sich einigen, der sich auf nichts einlassen.
Zu spät, da alles fort, hätten sie gern gewollt,
was sie der Pfeile Bund und Trennung lehren sollt'.
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ancre





W. Aractingy 100 x 100 cm, Février 1995

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